Wer heute seine Meinung äußert, muss dauerhaft damit rechnen, für diese bestraft zu werden. Da es heutzutage nahezu nicht mehr möglich ist, etwas zu sagen, ohne von der Opposition eingeschäumt zu werden, wird der Anspruch auf eine freie Meinung (Art. 5 GG) nahezu ausgehebelt – denn (allen voran die Print-) Medien beherrschen zwei Taktiken erstaunlich gut:
Der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ ist perfekt, wenn es darum geht, abweichende Meinung von der Pseudo-Volksmeinung entweder "tot"zuschweigen oder "tot"zuprügeln, vorallem in schlechten Zeiten. In beiden Fällen wird die Person so eingestampft, dass sie sich nie wieder trauen wird irgendetwas zu sagen – selbst der Hinweis, das Steak zum Mitagsessen sei gut gewesen, wird einfach völlig ignoriert und in der Regel noch mit einem „Sie essen zu viel Fleisch!“ quittiert.
Natürlich ist klar, dass beide Taktiken gleich schlimm sind – zuerst scheint das Prügeln schlimmer zu sein, nach genauerem Überlegen ist es aber doch eher angenehm, wenn man bedenkt, dass man zumindest standhaft bleiben könnte. Das ist aber praktisch nicht möglich, weil von allen möglichen Seiten eingeprügelt wird. In der Regel sogar ohne Grund, da die Meinung meist mit der des „dummen Bürgers“ übereinstimmt. Dieser falsche Aktivismus der (Print-)Medien ist krankhaft und zeigt sich erst seit den letzten Jahren. Es gibt keine Seele mehr in den Medien, über die sich das Volk informiert. Somit ist das eine gezielte Verdummungsstrategie von Personen, die eigentlich die „vierte Staatsgewalt“ darstellen sollten.
Das Bundesverfassungsgericht hat im bekannten „Volkszählungsurteil“ entschieden, dass jemand,
der immer damit leben muss, identifiziert zu werden, eventuell auf die Ausübung seiner Grundrechte gem. Art 1-20 GG
verzichten wird – was auch völlig logisch ist. Schließlich sage ich meinem Chef nicht meine Meinung in das Gesicht,
wenn ich nicht unbedingt gefeuert werden will. Denn es gibt einige Berufsgruppen, welche gegen Kritik per se immun
sind und sich nichts anmerken lassen. Eine „Intrige“, als was eine sachliche Meinungsäußerung oft und gerne bezeichnet wird, lässt sich keiner
mehr gefallen.
Dann behält man seine Gedanken lieber bei sich.
Wenn man sich das ansieht, besteht im Prinzip nur noch eine Möglichkeit, eine Meinung kundzutun: anonym. Es ist
aber so gut wie keine Anonymität mehr möglich – da sind wir in Deutschland fast noch am besten dran. In Zeiten,
wo Internetbenutzer wie im Mittelalter das Internet abgehackt bekommen (s. Hadopi [Frankreich]) und keine eigenen Verschlüsselungen
mehr nutzen dürfen (s. Frankreich u.v.a.), ist eine Kommunikation im Sinne der modernen Strategien nicht mehr möglich. Das
Problem ist nur: eine anonyme Meinung wird nicht ernstgenommen. Schließlich kann ja jeder etwas anonym in die Welt setzen.
Im Prinzip ist es zwar kein Unterschied, ob ich jemanden anonym oder mit Rückrufnummer anrufe und ihm meine Meinung
mitteile. Doch der erste Weg ist feige, der letztere bietet jedoch eine Bestrafungsmöglichkeit die den
Dissidenten empfindlich schädigen kann – das reicht von der Entlassung eines Mitarbeiters bis hin zu physischer und psychischer Schikane.
Sollte man selbst betroffen sein, bleibt nur eine Möglichkeit: der Berichterstattung standhalten. Denn es gibt zumindest etwas Positives: Nachdem der Druck auf mehrere 100 Bar angeschwollen ist, sinkt er meist plötzlich wieder ab und das Thema interessiert keinen mehr. Auch das ist außergewöhnlich; so schnell verlieren die Medien das Interesse. Deshalb sollte man keine Angriffsfläche bieten und einfach den Mund halten. Das ist die einfachste, sicherste und effizienteste Methode, auch wenn es schwerfällt.
— MAX GROSSMANN