
Der Palast der Republik stand vom 23. April 1976 bis zum 2. Dezember 2008, als sein letztes Stück abgerissen
wurde. Das Gebäude enthielt etwa 200 Tonnen gefährliche Stoffe, wie etwa Asbest. Im Palast der Republik tagte das
Parlament der ehemaligen DDR und diente dem Volk als Bürgerhaus, mit Ausstellungen und Restaurants. Das Gebäude
selbst war zwar nicht mehr im aktuellen Zustand nutzbar, vorrangig aufgrund des Asbests. Man hätte aber für günstigeres Geld eine Ausschreibung
für ein Bürgerhaus planen und bauen lassen können, natürlich nach modernsten Öko-Richtlinien. Ein Stadtschloss
ist wieder einmal ein Schritt zurück, indem man veraltete sogenannte „Schönheiten“ wieder hervorbringt.
Da in den Köpfen der allermeisten Deutschen fast alles Alte wie Bauwerke, Künste, Musik, etc. (nicht aber die Geschichte Deutschlands!)
schön ist, war klar, dass auch hier ein Rückschritt standfinden würde. Und so geschah es dann auch.
Ich persönlich konnte mich am 5. Oktober 2008 vom Rückbaufortschritt überzeugen. Es ist und war erschreckend, welch riesiges leeres Loch in das Herzen Berlins gerissen wurde. Auch wenn der Palast nicht schön war, er hatte sich im Laufe der Jahrzehnte in das Stadtbild Berlins eingefügt und war auch zu einem Symbol geworden, auch wenn er vom DDR-Unrechtsregime aufgebaut wurde.
Das sogenannte „Humboldt-Forum“ soll einen Platz für Kunst, Kultur und Wissenschaft darstellen. Der Bauminister
des Bundes soll mit insgesamt 552 Millionen (!) Euro auskommen. Das hätte man auch billiger haben können, indem man
ein Bürgerhaus geplant und gebaut hätte. Das hätte den Berlinern warscheinlich mehr genutzt, als ein unglaublich
teurer Bau, der ihnen dann doch wieder verschlossen bleibt. Halleluja!
Oft wird als Grund für den Wiederaufbau angeführt, dass die DDR das ursprüngliche Stadtschloss 1950 sprengte. Dabei
bleibt jedoch unangetastet, dass das Stadtschloss im Zweiten Weltkrieg sehr stark zerstört wurde und fast komplett
ausbrannte. Das Schloss hätte selbstverständlich hergerichtet werden können, doch es galt damals als Symbol
für den „preußischen Absolutismus“. Von daher waren es hauptsächlich politische Gründe, die die Zerstörung
des Gebäudes durch Walter Ulbricht „nötig machten“.
Der Abriss des PdRs hatte möglicherweise auch politische Motive, denn in ihm tagte die Volkskammer. Desweiteren
war er vollgepumpt mit Asbest und womöglich war er auch gar nicht schön. Nach heutigen Standards war der Baustil
völlig veraltet.
Es ist aber darauf hinzuweisen, dass der Palast der Republik gar nicht weg ist, sondern nur verteilt. Der hochwertige
schwedische Stahl wurde zum Bau des „Burj Dubai“ verwendet und so mancher notorischer Sammler hegt noch Toilettenschilder
oder Bierabzapfanlagen.
— MAX GROSSMANN